Sandra Schindler hat seit Ende ihres Studiums in verschiedensten Berufen mit Verlagen zusammengearbeitet. Erst als Übersetzerin, dann als PR- und Marketingfrau und schließlich als Lektorin. Es war für sie nur konsequent, am Ende selbst mit dem Schreiben anzufangen.

2016 erschien ihr Erstling, „Der kleine Milchvampir“*, ein Kinderbuch, das Langzeitstillmüttern das Abstillen erleichtern soll.

2017 kam „Flim Pinguin im Kindergarten“* auf den Markt. Mit dem Bilderbuch inklusive Elternratgeber möchte die Autorin Kindergarten-Neulingen die Eingewöhnung erleichtern und ihre Trennungsangst lindern.

Seit Anfang 2018 ist Sandra Schindler hauptberuflich Kinderbuchautorin.

Elternbloggerin Sonja von sonjaschreibt.com hat sie zum Thema Kinderbücherschreiben interviewt.

Kinderbuchautorin Sandra Schindler
Foto: Ruth Frobeen

Ein Kinderbuch zu schreiben, davon träumen viele. Aber dazu gehört mehr als eine gute Idee. Welche Erfahrungen aus deiner Zeit als Lektorin helfen dir bei deiner jetzigen Arbeit?

Ich merke es vor allem beim Bloggen, wenn mir jemand einen Text einreicht und ich ihn stillschweigend korrigiere und stilistisch verbessere. Für diese Fleißarbeit bekomme ich oft eine dankbare Rückmeldung, was mich dann auch wiederum dankbar macht. Und Dankbarkeit öffnet so viele Türen.

Ansonsten ist es praktisch, wenn man sich keine großen Gedanken über Rechtschreibung oder Stil machen muss, weil man weiß, was sich nach Meinung der Sprachpäpste gehört. Wobei es schon witzig ist: So manchen Schachtelsatz, den ich bei meinen Kunden sofort bekrittelt hätte, versuche ich vor mir selber zu rechtfertigen. Das Gleiche gilt für überflüssige Adjektive. Da kann ich manchmal regelrechte Kämpfe mit mir selbst führen. 😉

Leider sind von Lektorinnen geschriebene Bücher auch nicht perfekt. Wenn ich als Autorin in der Materie „drinstecke“, übersehe ich genauso viel wie alle anderen auch. Vor allem inhaltliche Unstimmigkeiten oder Wortwiederholungen. Würde ich den jeweiligen Text ein halbes Jahr liegen lassen und ihn erst dann wieder anschauen, wäre das etwas anderes, aber dazu fehlt mir in der Regel die Geduld. 😉

Du hast bisher Kinderbücher für ganz Kleine und für Kindergartenkinder geschrieben. Jetzt arbeitest du an einem Jugendroman. Was musst du als Autorin beachten, wenn du für diese junge Zielgruppe schreibst?

Wenn man mit dem Text eine wichtige Botschaft vermitteln möchte, dann sollte sie kindgerecht verpackt und nicht auf den ersten Blick erkennbar sein. Holzhammerbücher mag ich nicht. Ich liebe das Dezente, das Subtile.

Abgesehen davon muss die Sprache dem Alter angemessen sein, also gerade bei den ganz Kleinen einfache, möglichst kurze Sätze, keine Fremdwörter, sondern Altbekanntes, Dialoge, die fließen, eine schöne Satzmelodie, die anfängt zu klingen, wenn den Kindern vorgelesen wird. Und möglichst einprägsame Texte. Ich arbeite gerne mit Reimen oder mit wiederkehrenden Schemata.

Auch wichtig: Das Happy End bei den Kinderbüchern.

Last but not least: In der Psychologie spricht man von Assoziation und Dissoziation: Dissoziiert heißt im Kinderbuch, dass ein Kind eine Situation aus der Distanz erlebt und nicht richtig in die Geschichte eintauchen kann. Wenn das Kinderbuch funktionieren soll, muss der Autor allerdings so schreiben, dass sich das Kind mit dem Protagonisten assoziieren, identifizieren, mit ihm verschmelzen kann.

Was macht für dich ein gutes Kinderbuch aus?

Ich mag Quatschkinderbücher, die bei genauerer Betrachtung doch eine tiefere Botschaft haben. Sowas wie Dr. Seuss. Der übrigens auch wunderbar reimen kann. Und gut gereimte Kinderbücher sind leider verdammt selten. Wobei das natürlich auch Ansichtssache ist.

Für mich ist ein guter Reim einer, bei dem die Silbenzahl entweder übereinstimmt oder zumindest irgendwie harmoniert. Rhythmus und Satzmelodie sollten einem erkennbaren Schema folgen und der Reim sollte passen. Wobei natürlich ein immer gleiches Schema auch langweilig ist. Mein Vorbild, Dr. Seuss, bricht daher immer mal wieder aus, was die Anzahl der Silben angeht, damit die Gleichmäßigkeit niemanden zum Einschlafen bringt. Guter Ansatz.

Außerdem mag ich diejenigen Geschichten, die Menschen berühren, ihre kindliche Fantasie wieder entfachen und sie in andere Welten entführen. Solche Geschichten dürfen mich auch gerne vor Rührung zum Weinen bringen. Astrid Lindgrens „Die Brüder Löwenherz“ ist eins meiner Lieblingsbeispiele. Ich liebe die Tiefe dieses Buchs bzw. dieser Autorin. Vermutlich ist sie deshalb eins meiner größten Vorbilder. Neben Enid Blyton.

Wie wählst du deine Themen aus? Was inspiriert dich?

Ich schreibe über die Themen, die mich auch privat gerade emotional beschäftigen, teilweise auch belasten. Anfangs habe ich öfter mal Bücher gesucht, die mir helfen sollten, ein bestimmtes Problem mit Kindern zu lösen. Wenn ich keine fand, habe ich sie kurzerhand geschrieben, damit andere Eltern, die sich mit dem gleichen Problem konfrontiert sehen, es hoffentlich durch meine Bücher leichter haben.

Wenn mich nicht meine oder andere Kinder beschäftigen, dann ist es die Natur, die mich am meisten inspiriert.

Du bist selber Mama von zwei Kindern. Kannst du uns etwas über deine Schreibroutine erzählen? Wie organisierst du dich?

Meine Routine ändert sich alle paar Monate. Momentan läuft es so: Die Zeit zwischen 4 und 6 Uhr morgens nutze ich, um motivierende oder inspirierende Videos (z. B. TED-Talks) zu schauen, mich mit Freunden per WhatsApp-Sprachnachrichten auszutauschen und mich in den Social Media einzubringen, sofern ich etwas zu sagen habe. 😉

Zwischen 6 und 9 ist Familienzeit und danach wird geschrieben. Mal an Büchern, mal an Artikeln, mal an Interviews. Momentan schreibe ich ja an dem Jugendroman, der 600 Seiten lang werden soll. Mein Ziel ist, jede Woche 25 Seiten zu schreiben, dann bin ich Ende des Sommers fertig.

Die Mittagspause nutze ich für meinen Waldspaziergang, den ich entweder mit Meditation oder mit spannenden Vorträgen fülle, die ich mir übers Handy beim Joggen anhöre.

Im Anschluss ist Kinderzeit, in der ich versuche, mich möglichst von allen Kommunikationsmitteln fernzuhalten.

Ich freue mich, wenn ich vor dem Schlafengehen noch etwas Zeit habe, in einem Buch zu lesen.

Bist du eine Planerin und verwendest du viel Zeit aufs Plotten oder lässt du dich vom Text leiten?

Ich kann gar nicht planen. Es ist eher so, dass plötzlich Ideen in meinem Kopf aufploppen. Meist sehe ich zuerst den Protagonisten, dann ganz grob die Geschichte, aber in der Regel, ohne dass ich das Ende absehen kann. Dann fange ich einfach an zu schreiben und warte auf das, was mir der jeweilige Held vorgibt.

Bei den Jugendbüchern ist es noch krasser: Da weiß ich eigentlich gar nichts, außer dass es dieses eine Thema gibt, über das ich dringend etwas schreiben muss. Dann vertraue ich darauf, dass die richtigen Impulse in dem Moment kommen, wenn ich wieder vor dem Schreibtisch sitze.

Hast du den ultimativen Tipp für alle, die schon immer ein Kinderbuch schreiben wollten?

Ich glaube, das Schreiben ist nicht das Problem. Das kann man einfach machen. Bzw. wem das schwerfällt, dem kann ich Stephen Kings „On Writing“ empfehlen. Das führt wirklich dazu, dass man sofort voller Motivation zur virtuellen Feder greift.

Das wirklich Schwierige am Autorendasein ist einerseits die Verlagssuche, andererseits die Sichtbarkeit. Beides klappt, wenn man Ausdauer zeigt. Es nutzt nichts, einmal einen Monat lang Marketing zu machen und dann wieder zwei Jahre die Füße stillzuhalten. Man muss dranbleiben. Auch am Schreiben.

Ich glaube, wenn man sich nicht entmutigen lässt, zuversichtlich bleibt und Qualität produziert, dann wird man früher oder später vom Schreiben leben können. Das Wichtigste ist neben der Beharrlichkeit, einem authentischen, sympathischen Auftreten, der positiven Lebenseinstellung und dem Glauben an das Miteinander statt Gegeneinander vor allem das Vertrauen. Das Vertrauen in sich selbst und ins Universum: Dass genau zur richtigen Zeit die richtigen Dinge passieren, die richtigen Menschen in dein Leben treten und dich mit ihren Impulsen oder auch konkreten Hilfsangeboten genauso bereichern wie du sie.

Wer noch ganz am Anfang steht mit dem Schreiben, der darf gerne mal meine FAQ-Seite besuchen. Dort habe ich in meiner Zeit als Lektorin die wichtigsten Fragen von Autoren gesammelt und beantwortet.

Und diejenigen, die sich mit der Buchvermarktung schwertun, finden vielleicht den einen oder anderen Impuls auf meiner Seite Marketingtipps.

Wer meinen Weg weiterverfolgen, darf sich gerne mal meinen Newsletter anschauen. Anmelden ist überall auf meiner Webseite möglich.

Das Interview führte Sonja Kirste. Sonja ist hauptberuflich Multimedia-Redakteurin beim Hessischen Rundfunk. Daneben bloggt sie auf https://sonjaschreibt.com/ über Familienalltag, Feminismus und Fairness.
Frauen und speziell Mütter stark zu machen, liegt ihr besonders am Herzen. Deswegen bloggt sie gern über die Kraft der Geburt, über gleichberechtigte, bedürfnisorientierte Elternschaft und stellt starke Mütter vor, die die Welt ein bisschen besser machen.

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