Schreiben ist kein Hexenwerk. Aber es gibt ein paar Dinge, die wie durch Zauberei verhindern, dass deine Texte richtig gut werden, dass du in den Schreib-Flow kommst – und manchmal sogar, dass du anfängst.

von Barbara Stromberg

Foto: Barbara Stromberg

Ablenkung

Die leere Kaffeetasse, die volle Blase, kalte Füße oder heiße News im Internet – das alles hält dich vom Schreiben ab! Also: Bereite dich gut vor auf deine Schreib-Session. Internet aus, Handy leise, ausreichend Getränke bereit stellen, noch mal aufs Klo gehen und los geht’s!

Fokussierung

Dein Hirn muss eh schon eine ganze Menge an Eindrücken herausfiltern. Mach es ihm nicht noch schwerer. Versuche also, möglichst viele Reize auszuschalten. Wenn es hilft: Radio aus. Fernseher sowieso. Ohrenstöpsel gegen den dauertelefonierenden Kollegen. Tür zu gegen Bürotratscher.

TIPP: Pomodoro- Methode

Stell einen Küchenwecker oder deinen Handycountdown auf mindestens 20 Minuten. So lange lässt du dich von nichts und niemandem vom Schreiben abhalten. Außer das Haus brennt.

Sind die 20 Minuten abgelaufen, machst du entweder ein kurzes Päuschen, stehst auf und gehst ans Fenster oder du schreibst einfach weiter, weil es gerade so schön läuft.

Höre ich da Widerspruch? Ja, ich weiß, manche schreiben am liebsten, während Fußball läuft, andere (ich zum Beispiel) brauchen Berieselung durch das Radio. Aber das ist ein schmaler Grat. Ich merke sofort, dass ich von meinen eigenen Gedanken abschweife, wenn die Musikauswahl gruselig ist oder jemand redet. Deshalb geht das nur mit Digitalsendern wie von Absolut Radio, wo keiner dazwischen quatscht. Wenn du also merkst, dass du Schwierigkeiten hast, deinen eigenen Gedanken zu folgen, bleiben dir nur die sprichwörtlichen Scheuklappen.

Material

Erst sammeln, dann sortieren, dann planen.

Um mit der Planung anzufangen, musst du wissen, wann du genug Material zusammen hast. Und dafür musst du wissen, welche Fragen im Text beantwortet werden sollen. Ein Teufelskreis.

Zu viel Material versperrt dir den Blick, zu wenig lässt es an Tiefe und Substanz fehlen. Wenn du nicht sicher bist, ob du genug Material gesammelt hast, fang einfach mit der Strukturgebung an. Dann merkst du das schon.

Planung

Lege den roten Faden fest. Wenn du weißt, wo die Reise hingehen soll, läuft es sich leichter. Was ist die Botschaft? Wie führst du den Leser dorthin? Manche brauchen eine Gliederung und die Schrittfolge von 1 bis 10, andere legen Stichworte für Einstieg, Hauptteil und Abschluss fest. Mir persönlich helfen papierene Mindmaps mit den Haupt-Stichworten oder Keywords, denen ich Wortbilder, Unterpunkte oder Assoziationen zuordne. Während des Schreibens kann ich dort zudem kurz notieren, wenn mir noch etwas einfällt zum Thema, ohne dass ich im Text selbst hin und her springe.

Technische Hindernisse

Mit Computern geht alles besser, es dauert nur länger. Oder so.

Mach dir die technischen Möglichkeiten zu Nutze oder kloppe sie in die Tonne, wennsie dich nur Zeit kosten.

Wenn es dir hilft, erstelle Mindmaps mit einem Programm wie Freemind am Rechner, wenn nicht, erledige die Planung analog mit Stift und Papier. Oder pappe Klebenotizen oder andere selbsthaftende Notizzettel an die Wand. Finde deinen Weg. Aber sei bereit für Experimente! Vielleicht können deine Gedanken besser fließen, wenn du sie aussprichst und nicht durch deine Tippgeschwindigkeit ausgebremst wirst? Dann versuch mal eine Spracherkennungssoftware wie Dragon Naturally Speaking. Damit kann man sogar schreiben und zugleich aufstehen und aus dem Fenster gucken – wenn das Mikrokabel lang genug ist.

Wenn es immer wieder technische Hindernisse gibt, die dir das Schreiben schwer machen, räum sie aus dem Weg! Du weißt nicht wie? Vielleicht bist du nicht der oder die einzige mit dem Handicap? Befrag doch mal die Suchmaschine.

Zeit

Deadlines sorgen bei dir für den nötigen Drive? Dann setz dir selbst eine! Plane genug Zeit ein.

Damit du auf ausreichende Erfahrungswerte zurückgreifen kannst, nutze Zeiterfassung. Timetracking-Programme wie Toggl oder stylische Gadgets wie Zei° helfen dir dabei. Rechne damit, dass du nur 40 bis maximal 60 Prozent deiner Arbeitszeit wirklich produktiv Texte planst und produzierst. Der Rest geht drauf für Kleinkram, Alltagsgeschäft, aber auch für notwendige Pausen, in denen dein Kopf mal lüftet, kurz durchwischt und dabei unterm Sofa eine total tolle Schreibidee findet.

Wenn du weißt, dass du für einen Blogartikel anderthalb Stunden brauchst bis er von der Idee bis zur Veröffentlichung reift, dann nimm dir die Zeit – und halt dich nicht mit Fisselkram auf.

Die ungeschönte Zeiterfassung hat noch einen zusätzlichen Effekt: Das Controlling hindert dich an Prokrastination und hilft dir zudem beim Erstellen von realistischen Angeboten für ähnliche Projekte.

Zielerfassung

Setzt dir ein Zeitziel und ein Ergebnisziel. Ein echtes Ziel ist SMART:

S – Spezifisch –Formuliere dein Ziel so genau wie möglich.
M – Messbar – Kannst du dein Ziel messen?
A – Akzeptiert – Mach deine Ziele attraktiv und ausführbar.
R – Realistisch – Bleib realistisch beim Zielesetzen.
T – Terminiert – Setz dir eine Deadline.

Perfektionismus

Gewissenhaftigkeit und Sorgfalt ist gut und schön, erstrebenswert und auch nützlich, wenn es professionell zugehen soll. Zu viel Perfektionismus allerdings hindert dich daran, zufrieden mit dem Ergebnis zu sein und im schlimmsten Fall verweigert es dir der Perfektionismus, das Projekt abzuschließen. Vermeide das, indem du die Ziele so formulierst, dass die Kriterien tatsächlich faktisch messbar sind. Gut genug reicht, perfekt gibt es nicht.

Innerer Zensor

5 Schritte vor, 4 zurück? Möglicherweise ist es dein innerer Zensor, die Stimme in deinem Kopf, die die Selbstzweifel nährt und dir Dilettantismus vorwirft. Stell ihn leise. Mach ein Deal mit ihm: er lässt sich in Ruhe eine Weile schreiben, sagen wir 20 Minuten und dann schaut ihr gemeinsam drüber. Schreibt einfach drauflos und korrigiere nie mehr als einen einzelnen Buchstaben bis die Zeit abgelaufen ist. Dann bring das Ergebnis in Form und legte es dem Zensor vor. Lass dich nicht von ihm drangsalieren, aber nimm ihn ernst. Sieh ihn nicht als General, dessen Meinung Befehl ist, sondern als hilfreichen Lektor, der dir hilft, Fehler zu korrigieren, und der gerne auch mal Vorschläge zur Verbesserung deines Textes machen darf. Mehr aber auch nicht.

Und wenn der Text wirklich wichtig ist und du dir nicht sicher bist, ob er wirklich gut ist, dann gib ihn in professionelle Hände zu einem Texter, einer Texterin, einem Lektor, einer Lektorin.

Handwerk

Man kann nicht alles wissen, man muss nur wissen, wen man fragen muss. Ich behaupte mal ganz frech, dass es keinen Textprofi gibt, der alle Textgattungen von der satirischen Glosse bis zum technischen Handbuch, von der Produktbeschreibung bis zur Firmenchronik beherrscht. Geschäftsberichte folgen anderen Gesetzen als Zeitungsberichte. Wenn du also selbst nicht die nötige Erfahrung für das Projekt vorweisen kannst und du dir unsicher bist, dann mach dich bei denen schlau, die ähnliches schon erfolgreich durchexerziert haben. Fehlende Erfahrung lässt sich bisweilen durch Wissen ersetzen. Und Mut.

In 10 Schritten zum Schreib-Flow

  1. Lass dich nicht ablenken.
  2. Konzentrier dich.
  3. Sammle Material.
  4. Investiere Zeit in die Struktur.
  5. Nutze die Technik.
  6. Plane die Zeit für Prozesse und Pausen.
  7. Erfasse das Ziel.
  8. Setzte realistische Ansprüche an dich.
  9. Einige dich mit dem Inneren Zensor.
  10. Erlerne das Handwerk.