„Was mit Schreiben“ war die Antwort, die Michaela Gawlick schon recht früh auf die Frage nach ihrem Berufswunsch gegeben hat. Im Anschluss an ihr Studium (Germanistik, Italienisch, Kunstgeschichte) hat sie in Agenturen und der Unternehmenskommunikation gearbeitet. 2004 hat Michaela Gawlick ihr Unternehmen media menue gegründet. Das Angebot rund um das geschriebene und gesprochene Wort umfasst Presse- und Werbetexte ebenso wie Reden und Grußworte.

„Schreiben als Beruf“ hat sie zum Thema Reden-Schreiben befragt.

Redenschreiberin Michaela Gawlik

Du schreibst Reden für einige Leute aus der Wirtschaft, die nur ungern genannt werden wollen. Bei Politikern ist es ein offenes Geheimnis, dass sie ihre Ansprachen nicht selbst schreiben. Ist es in der Wirtschaft verpönt, diese Dienstleistung  in Anspruch zu nehmen?

Redenschreiber sind Dienstleister, die im Hintergrund bleiben, das gilt für die Politik ebenso wie für die Wirtschaft. Diskretion ist Teil des Geschäfts.

Wie gehst du vor, wenn du eine Rede schreibst?

Zunächst treffe ich mich mit meinem Auftraggeber und sammele Informationen. Im Gespräch kristallisieren sich dann die Botschaften und Kernaussagen heraus. Daraus konstruiere ich das Gerüst, den roten Faden der Rede. Beim Schreiben halte ich immer wieder inne und prüfe, ob die wesentlichen Punkte enthalten sind und ob die Worte, die ich der Person in den Mund lege, zu ihr passen.

Gab es schon mal den Fall, dass dir einfach die Worte gefehlt haben?  Warum und was hast du getan?

Bisher ist noch jede Rede fertig geworden. Zwischendurch kommt es vor, dass ich an einer Stelle fest hänge und nicht weiterkomme. Dann hilft es mir, eine kleine Pause zu machen, bewusst vom Schreibtisch aufzustehen und den Raum zu verlassen. Wenn ich in Bewegung bin, bewegen sich auch meine Gedanken.

Wie schafft man es, den Ton des Redners zu treffen, so dass seine Rede authentisch klingt?
Zuhören ist ganz wichtig. Der Rede geht ja ein Vorgespräch voraus, in dem der Rahmen und die Inhalte festgelegt werden. Ich nutze dieses Gespräch auch dafür, ein Gespür für die Person zu bekommen. Und natürlich für ihre Sprache. Am Ende lese ich mir die Rede laut vor und prüfe, ob sie mit dem Bild des Redners zusammenpasst. Ein wichtiger Punkt ist natürlich auch der Faktor Zeit. Je länger man den Redner kennt, desto leichter wird es, den richtigen Ton zu treffen.

Wie muss eine richtig gute Rede sein?
Sie muss zum Redner passen, das Publikum erreichen und unterhalten.

Was unterscheidet das Schreiben einer Rede vom Schreiben eines Briefes?
Manche Sätze funktionieren schwarz auf weiß, aber nicht als gesprochenes Wort.

Vielen Dank für das Interview!

Für alle, die an den richtigen Worten für eine Rede feilen, hat Michaela Gawlick eine Checkliste erstellt:

Meine 10 Tipps für gelungene Reden

  1. Halten Sie sich Ihre Botschaften und das Publikum vor Augen.
  2. Mut zur Lücke. Wenn es gerade hakt, erst mal in der Gliederung weitergehen und später auf den Punkt zurückkommen.
  3. Lassen Sie die Zuhörer an Ihren Gedanken teilhaben – mit klaren Worten.
  4. Wählen Sie Ihre Worte so, dass sie zum Redner und zum Anlass passen.
  5. Sprechen Sie das Publikum direkt an, erzeugen Sie Bilder im Kopf.
  6. Machen Sie Ihre Rede zum Erlebnis, mit überraschenden Wendungen und frischen Formulierungen.
  7. Vertrauen Sie Ihrem Bauchgefühl. Wenn Sie über eine Formulierung stolpern, werden es die Zuhörer wahrscheinlich auch.
  8. Eine Prise Humor oder eine thematisch passende Anekdote sorgen für frischen Wind.
  9. Versetzen Sie sich in Ihr Publikum. Fühlen Sie sich gut unterhalten?
  10. Lesen Sie sich die Rede laut vor.

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Das Interview führte Barbara Stromberg // „Schreiben als Beruf“