Seine Karriere als Journalist und Moderator startete André Scheidt bei lokalen Radiosendern in NRW. In den folgenden Jahren legte er seinen Schwerpunkt auf die Moderation von (Sport-)Events, Messen und Kongresse. In Düsseldorf kennt man André Scheidt insbesondere als Stadionsprecher und Moderator von Fortuna Düsseldorf und der Düsseldorfer EG.

Er gehörte zum Moderatoren-Team bei der Taufe der AIDA Diva, er führte durch die „Wetten, dass.. ?“-Stadtwette in Düsseldorf, leitete die Pressekonferenz mit Michael Schumacher und Sebastian Vettel beim „Race of Champions“ in Düsseldorf und interviewte als Radiojournalist unter anderem Angela Merkel exklusiv.

„Schreiben als Beruf“ hat ihn zum Thema Moderationen-Schreiben befragt.

André Scheidt

Du bist Stadionsprecher von Fortuna Düsseldorf und der Düsseldorfer EG. Das wirkt immer locker aus der Hüfte gesprochen. Klar, dass es kein Drehbuch für jedes Spiel gibt, aber vorbereiten musst du dich ja schon. Wie?

Das Drehbuch ist der Ablaufplan und den bekomme ich zwei Tage vor der Begegnung zugeschickt. Hier steht sehr genau wann, was passiert. Zuhause bereite ich die Interviews vor und lese mich in besondere Spieltagsthemen ein. Dazu gehört zum Beispiel auch die Ausspracheliste der gegnerischen Spieler. Am Spieltag selbst gehen wir in der Ablaufbesprechung noch mal den Tag durch, machen einen Soundcheck und schauen uns vorab die Grafiken an. Auch wenn vieles sehr spontan wirkt, ist das meiste im Vorfeld genau geplant.

Wenn du für Moderationen gebucht wirst, ist sicherlich mehr Recherche und ein Skript erforderlich. Wie gehst du da vor?

Generell wird jede Moderation im Vorfeld individuell auf den Kunden angepasst. Als Moderator bin ich das Sprachrohr meines Kunden und repräsentiere sein Unternehmen. Daher ist es mir sehr wichtig auch die Hintergründe zu kennen, für was steht das Unternehmen und wer sind die Macher. In einem persönlichen Gespräch bekommt man oft einen ersten, guten Eindruck was auch von mir erwartet wird. Auf der Bühne verstelle ich mich nicht, ich bin immer ich selbst. Das ist besonders wichtig, um glaubhaft zu sein. Außerdem versuche ich auch immer spontan auf Gegebenheiten zu reagieren und das Publikum mit einzubinden. Von daher ist eine gute Vorbereitung wichtig, Spontanität aber unabdingbar.

Was unterscheidet den gesprochenen vom geschriebenen Text? Oder anders gefragt: Glaubst du, dass jeder, der auch schreiben kann, ein guter Sprecher ist und umgedreht?

Zunächst unterscheidet sich die Moderation im Stadion ganz sicher von der auf einem Ärztekongress. Ich versuche aber immer mit einer verständlichen Sprache, locker und dennoch kompetent durch das Programm zu führen. Das gesprochene Wort unterscheidet sich dabei definitiv vom geschriebenen Text. Auf der Bühne erlebe ich ganz oft, dass bei weitem nicht jeder Journalist, Autor oder Vorstandsvorsitzender auch gut am Mikrofon ist. Rhetorik übersetzt man nicht umsonst als Redekunst. Es geht darum Inhalte interessant zu transportieren und dabei kommt es neben der Artikulation besonders auf das Sprachtempo und die richtige Betonung an. Aber auch die nonverbale Kommunikation ist enorm wichtig. Wie wirke ich auf mein Publikum, dabei spielt die Gestik, Mimik und Habitus eine große Rolle.

Wir kennen uns ja noch aus deiner Radiozeit und wir haben einige Pressekonferenz-Ansprachen gemeinsam überstanden. Rückblickend gesehen: Was sind die häufigsten Fehler, die man beim Sprechen vor Publikum machen kann?

Gerade bei Pressekonferenzen wird eben nicht unterschieden zwischen dem geschriebenen Text und dem gesprochenen Wort. Fakten und Informationen werden oft nur abgelesen und nicht frei vorgetragen, dadurch fehlt dann oft der Spannungsbogen. Viele Redner holen auch zu weit aus und kommen nicht zum Punkt, sondern verlaufen sich in belanglosen Nebensätzen. Wichtig ist auch der Blickkontakt zum Publikum, so können mögliche Fragen schon im Keim beantwortet werden. Vielen Rednern wird die eigene Nervosität zum Verhängnis. Das kann man natürlich nicht als Fehler bezeichnen, hier gilt wohl „Learning by doing“.

Angenommen, man möchte auf gar keinen Fall mit hochroter Birne und Blackout ins Mikrofon stammeln, wäre es wohl eine gute Idee, sich seinen Text Wort für Wort als Redemanuskript zu verfassen und möglichst oft zu üben. Dann kann doch eigentlich nichts mehr schief gehen, oder?

Ich denke Stichworte sind oft mehr wert als ausformulierte Sätze. Ein fertiges Script wird sonst wieder nur vorgelesen oder auswendig runtergerasselt. Aber um die eigene Nervosität im Griff zu haben und einem Blackout vorzubeugen ist der vorformulierte Text eine gute Versicherung.

Vielen Dank für das Interview! Es klingt übrigens auch laut gelesen ganz prima.