Autorin: Barbara Stromberg
Es gibt diesen stillen Glauben unter Selbstständigen: Wenn die Arbeit wirklich gut ist, empfehlen Kunden einen von selbst. Automatisch. Ohne dass man fragen muss.
Und im Umkehrschluss: Wenn dich niemand empfiehlt, war die Arbeit wohl nicht gut genug.
Das klingt logisch. Ist es aber nicht.
Und keiner sagt was
Ich habe jahrezehntelang als Texterin gearbeitet. Die Texte waren gut. Die Kunden zufrieden. Trotzdem: kaum Empfehlungen. Ich dachte lange, das läge an mir. An der Qualität. An irgendetwas, das ich falsch machte.
Bis ich anfing, Mentoring anzubieten.
Plötzlich erzählten Kunden von sich aus, dass ich ihnen geholfen hatte. Sie teilten es in Gesprächen, in Netzwerken, öffentlich, offen und ehrlich.
Der Unterschied: Beim Texten wollte niemand zugeben, dass jemand anders sie geschrieben hatte. Beim Mentoring war es ein Zeichen von Kompetenz, sich Hilfe geholt zu haben.
Das eine fühlte sich nach Schwäche an. Das andere nach kluger Entscheidung.
Fühlt sich der Kunde schwach oder clever?
Manche Dienstleistungen werden gerne geteilt. Andere lieber verschwiegen. Nicht weil die Arbeit schlecht ist, sondern weil sie etwas berührt, das sozial heikel ist.
Ein Ghostwriter macht sichtbar, dass man selbst nicht schreiben kann?
Ein Steuerberater macht sichtbar, dass man Struktur braucht?
Ein Coach macht sichtbar, dass man nicht alleine zurechtkommt?
Come on, das stimmt doch so gar nicht.
Ob das als positiv oder negativ wahrgenommen wird, hängt vom Kontext ab. Von der Branche. Von der Person. Vom sozialen Umfeld.
Und genau das macht die Frage „Kannst du mich weiterempfehlen?“ so unangenehm.
Du weißt nicht, in welche Kategorie deine Arbeit für den anderen fällt. Du weißt nicht, ob sie stolz darauf sind, mit dir gearbeitet zu haben oder ob sie es lieber für sich behalten.
Selbst wenn du es weißt, bleibt da oft ein komisches Gefühl. Als würdest du betteln.
Dabei ist die Frage völlig legitim.
Aber sie fühlt sich trotzdem falsch an, weil sie auf einer Annahme basiert, die nicht stimmt: dass gute Arbeit sich von selbst empfiehlt.
Tut sie nicht.
Gute Arbeit wird empfohlen, wenn sie sozial teilbar ist. Wenn sie den anderen in einem guten Licht zeigt. Wenn sie etwas unterstreicht, das sie über sich selbst denken wollen.
Und manchmal tut sie das eben nicht. Ich weiß, ich wiederhole mich, aber ich will, dass du mal darüber nachdenkst.
Ob du weiterempfohlen wirst, hat nichts mit der Qualität deiner Arbeit zu tun. Nichts damit, ob du es wert bist, empfohlen zu werden. Nichts damit, ob du gut genug bist.
Es hat damit zu tun, was deine Arbeit für den anderen bedeutet. Und das kannst du nicht kontrollieren.
Was bleibt, ist die Frage, ob du trotzdem fragst. Ob du es aushältst, dass es sich manchmal unangenehm anfühlt. Ob du akzeptierst, dass nicht jede gute Arbeit automatisch zu Empfehlungen führt.
Und ob du dich davon freimachst, daran deine Qualität zu messen.
