Sabine Fäth arbeitete 15 Jahre als Chefredakteurin von Frauenzeitschriften (Laura, Alles für die Frau, Tina, Bella, Für Sie). Bedingt durch den Personalabbau in den Redaktionen und der zunehmenden Abhängigkeit vom Freelance-Markt wünschte sie sich immer öfter ein „Parship für Schreiber und Auftraggeber“. Eine Plattform, auf der man den richtigen Schreiber für die richtige Geschichte zum richtigen Zeitpunkt finden kann. Diesen Wunsch hat sie in die Tat umgesetzt und „SCRIBERSHUB – the write choice“ gegründet. Fast 750 freie Texter, Autoren und Journalisten in mehr als 20 Ländern sind dort zu finden. Alle Schreiberprofile sind nach Qualitätsstandards mit Arbeitsproben und Referenzen verifiziert. Fäths Mission: kluge Inhalte brauchen kluge Köpfe!

„Schreiben als Beruf“ befragte Sabine Fäth zum Thema “Positionierung als Freelancer“.

Unternehmerin Sabine Fäth

Zeitungskrise, Medienwandel, Smartphone statt Frühstückszeitung – schneller als jemals zuvor scheint sich die Welt der Medien zu ändern. Welche Auswirkungen hat das auf das Verhältnis von Redaktionen zu Freelancern?

Die dünne Personaldecke in den Redaktionen macht die Freelancer zu einem wichtigen Baustein. Deshalb kommt es besonders darauf an, dass freie Mitarbeiter Informationen, Texte oder Fotos auf den Punkt liefern. Damit meine ich zum einen die Termintreue, aber auch inhaltliche und formelle Vorgaben.

Wohin geht die Entwicklung?

Wer sich als Freelancer eine gute Position auf dem Markt verschaffen will, der sollte darüber nachdenken, sein Angebot an die Redaktionen so zu gestalten, dass seine Dienstleistung für die direkte Weiterverarbeitung gecatert ist. Nicht selten gehen die Seiten direkt vom Redaktionstisch zum CvD, dem Chef vom Dienst, ohne den Umweg über Textchef*in oder Chefredaktion.

Auch ist es nicht unüblich, dass freie Mitarbeiter Texte direkt ins Layout schreiben und zur Fotoakquise herangezogen werden. Bedingt durch Zeit- und Kostendruck verlangen Redaktionen zunehmend einen Fullservice. Für die Freien heißt das, dass diejenigen im Vorteil sind, die die technischen Anforderungen erfüllen und sich stets weiterbilden.

Texterbörsen haben unter den professionellen Schreibern oftmals einen schlechten Ruf als Preisdrücker und Ramsch-Läden für Content, bei denen die Hobbyschreiber den Profis die Preise kaputt machen. Was ist bei Scribershub anders?

Ich möchte diesen Texterbörsen ihre Existenzberechtigung nicht absprechen. Mit meinem Portal bin ich als Gegenantwort angetreten. SCRIBERSHUB ist ein kuratierter Matchmaker und keine Contentfarm. Ich finde, das kluge Inhalte auch kluge Köpfe brauchen. Nicht Content ist King sondern Quality Content! Und dafür braucht man Profis und die müssen angemessen bezahlt werden. Dafür bin ich auch angetreten, den unüberschaubaren Markt der Freien für Auftraggeber verlässlich und transparent zu machen. Übrigens: Nur hauptberuflich freie Schreiber können sich bei SCRIBERSHUB verifizieren lassen und bei Bloggern akzeptiere ich nur diejeningen, die auch fachliche Expertise vorweisen können.

Anders als in Textbörsen, wo sich die Freiberufler gegenseitig über- oder unterbieten, können die Freelancer auf Scribershub sich daher nicht gegenseitig sehen.

Ich verstehe mich als Matchmaker und helfe beim Rekrutieren. Die Honorarverhandlung laufen direkt zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer. Zudem biete ich mich an als konsultatives Moment für beide Seiten. Sowohl für den Freiberufler, der sein Selbstmarketing auf der Plattform optimieren möchte, als auch für Unternehmen und Redaktionen bei der Suche nach textlicher Unterstützung.

Warum sollten Unternehmen und Redaktionen ihre Texte von Profis schreiben lassen?

Wie bei allen Waren und Dienstleistungen gilt: Qualität kommt vom Profi. Gute Schulnoten im Aufsätzeschreiben ist zwar löblich, aber keine Qualifikation für SCRIBERSHUB. Die fachliche Eignung und das Wissen eines Profis umfasst vielmehr als das, was für Außenstehende zunächst sichtbar ist. Ob B2B oder B2C getextet wird, es geht zunächst immer darum, die erforderliche Tonalität zu treffen, einem Textkonzept zu folgen oder vielleicht auch eines zu entwickeln, eine bestimmte Sprache zu benutzen oder bewusst wegzulassen. Das sind nur einige der Aspekte, die man von einem Profi erwartet.

Wie findet man den richtigen Freelancer? Ist der Preis wirklich ein so schlechtes Kriterium?

Findet man den Partner fürs Leben, mit dem man größtenteils glücklich ist, anhand seines Bankkontos? Sollte es für das “perfect match“ nicht wichtiger sein, dass man dieselbe Sprache spricht und sich wohlfühlt damit, was der andere für die Partnerschaft tut und wie er über seine Ex-Beziehungen redet?

Übertragen auf die Suche nach dem richtigen Texter oder Texterin, egal ob für Print oder Online, heißt das, dass die Erfahrung und Arbeitsproben höher bewertet werden sollten als ein vermeintlich günstiger Preis.

Fakten schlagen Geld. Für die Verhandlung mit dem Kunden heißt das, immer genau abzuklären, was der Kunde möchte und welchen zeitlichen und damit monetären Aufwand das erfordert. Das geht nie ohne eine persönliche Kalkulation, die die Einzelposten vom ersten Briefing bis zum fertigen Ergebnis realistisch umfasst. Wenn Zeitaufwand mal Stundensatz als Grundlage für das Honorar dienen, besteht weniger Gefahr, dass man sich unter Wert verkauft. Hier sollte jeder Schreiber sich selbst treu bleiben.

Wie können professionelle Texter und Journalisten ihre Preise rechtfertigen? Und müssen sie das überhaupt?

Zu Beginn unseres Gespräches sprach ich davon, dass Fullservice immer wichtiger ist. Das meint nicht die berühmte „eierlegende Wollmilchsau“. Diese Zeiten sind definitiv vorbei. Vielmehr sind Freiberufler gefragt, die mit ihren Stärken arbeiten, ihren USP, also das Alleinstellungsmerkmal, kennen und sich damit vom Markt abgrenzen. Die ihre Stärken stärken! Wer als „Knowledge-Worker“ über Spezialwissen und begehrtes Können verfügt, braucht keine andere Rechtfertigung für ein angemessenes Honorar.

Kleine Unternehmen tun sich oft schwer damit, Profis für ihre Texte zu engagieren. Was sind gute Argumente, die die Textprofis anbringen können?

Als erstes würde ich herausfinden, wer im Unternehmen für das Marketing und Unternehmenstexte zuständig ist und den persönlichen Kontakt suchen. In einem zweiten Schritt würde ich mich bei demjenigen vorstellen. Dann gilt es, die eigene Professionalität darzulegen, beispielsweise indem man mit Knowhow punktet, mit konkreten Ideen und Ratschlägen.

Ich weiß:  Nicht jeder ist der geborene Performer für Kaltakquise und schon gar nicht für Selbstmarketing und den Verkauf der eigenen Fähigkeiten. Aber auch das kann man üben und im Kleinen austesten. Nicht vergessen sollte man: Wäre im Unternehmen alles in Butter, hätte man sich sicherlich auch keinen Textprofi eingeladen.

Welche Auftraggeber tummeln sich auf Ihrem Portal und für welche Jobs werden Profischreiber gesucht?

Das sind zum einen Content-, Corporate-Publishing-Agenturen sowie PR-Agenturen, die für ihre Kunden heutzutage weitaus mehr bieten müssen, als nur einfache Pressemitteilungen, z.B. Blog- oder Website/Newsletter-Betreuung. Aber auch Buchverlage „scouten“ bei SCRIBERSHUB oder Verlage, die eine externe „Redaktion on demand“ aufbauen.

Was sollten freie Schreiber mitbringen, um das Interesse der Auftraggeber zu wecken?

Sie sollten sich regelmäßig weiterbilden und ihre Qualifikationen ausspielen. Es ist wichtig, sein Profil so zu schärfen, dass der Auftraggeber merkt, ob man die selbe Sprache spricht und man seinen Themen offen zugewandt ist.

Für Schreiber ist es wichtig, das persönliche Branding ernsthaft anzugehen. Sie sollten ihre Kontakte so gut pflegen, wie man es von erfolgreichen Unternehmern erwartet und proaktiv Themen anbieten. Und natürlich: Ihr Profil, die Referenzen und die Arbeitsproben stets aktuell halten – ebenso wie die eigene Website.

Wer sich dazu entscheidet, das Schreiben als Beruf zu praktizieren, stellt sich die Anfangsfrage „Bauchladen oder Spezialisierung?“. Oder anders gefragt: „Präsentiere ich mich als Nischenschreiber oder als Allrounder?“

Eine Spezialisierung braucht in den meisten Fällen Zeit. Es ist aber auch denkbar, dass man durch eine Recherche in ein Thema hineingesaugt wird und sich unter Umständen einen Wissenvorsprung gegenüber der Konkurrenz verschafft. Diese Chance sollte man nutzen.

Wer besser werden will, muss sich fokussieren, sich in SEINEM Gebiet weiterbilden und auch mal Aufträge ablehnen, wenn die Kompetenz fehlt.  Meine Erfahrung ist, dass der Markt immer mehr Nischenschreiber sucht. Den Tiefwurzler statt den Flachwurzler!

Allrounder stechen kaum aus der Masse hervor. Ich glaube auch nicht, dass sie alles gleich gut können. Wer sich unsicher ist, wo sein Spezialgebiet liegen könnte oder welche persönlichen Stärken er betonen soll, muss sich den Fragen zur Positionierung (siehe Checkliste unten) seiner Person stellen. Ich empfehle hier auch eine neutrale Person (Berufscoach) hinzuzuziehen.

Woran liegt es ihrer Meinung nach, wenn ein Texter immer nur die falschen Anfragen bekommt, zum Beispiel mit extrem kleinem Honorar oder Aufträge, die mit seiner eigentlichen Profession eigentlich gar nichts zu tun haben?

Das zeigt zum einen, dass die Auftraggeber echte Probleme haben, fachliche  Unterstützung zu bekommen, weil sie nicht wissen, wo und nach was sie suchen sollen.

Und der Texter muss sich überlegen, welche Signale zur Anfrage geführt haben. Ich vermute, er wird dann herausfinden, dass er seine Kernkompetenz, sein Fachwissen und somit die Rechtfertigung für ein angemessenes Honorar nicht klar kommuniziert hat.

Manche Unternehmen oder Auftraggeber möchten zunächst eine kostenlosen Probetext. Wie finden Sie das?

Keiner muss sich verschenken. Die regulären Arbeitsproben sollten genügen, um sich ein Bild zu machen. Deshalb die Empfehlung: Pflegen Sie Ihr Archiv! Arbeitsproben sind Ihr Kapital!

Vielen Dank für Ihre Antworten!

10 Fragen zur Positionierung als Freelancer

  1. Was macht mich als Schreiber aus? Was ist mein USP, mein Alleinstellungsmerkmal?
  2. Wie präsentiere ich mich am besten?
  3. Habe ich einen besonderen Schreibstil?
  4. Für welche Medien schreibe ich, bzw. in welchen Textgattungen bin ich versiert?
  5. Welche Themenschwerpunkte liegen mir bzw. in welchen Themenbereichen habe ich Wissen und Erfahrung aufgebaut?
  6. Wer ist meine Konkurrenz und wie kann ich mich von ihr abheben?
  7. Worin bin ich besonders gut? (z.B. Recherche? Klare Sprache? Tiefgründige Texte?)
  8. Besitze ich eine besondere Zusatzausbildung?
  9. Welche Probleme meiner Kunden kann ich lösen? Welchen Nutzen hat ein potenzieller Kunde?
  10. Kann ich durch mehr punkten? Beispielsweise durch ein Top-Netzwerk zu Experten?

Bei Amazon (Promo-Link) gibt es ein sehr empfehlenswertes Buch zum Thema „Kommunikation verkaufen“ von Elke Fleing.

Das Interview führte Barbara Stromberg // „Schreiben als Beruf“