So wird der Text rund (Print-Interview, Teil III)

#365schreibtippsDas Interview ist geführt, du hörst dir deine Aufzeichnung an und stellst fest: Der oder die Interviewte spricht mit vielen „Ähs“ und „Ähms“, vollendet jeden dritten Satz nicht und wiederholt sich häufig. Während des Gesprächs war dir das gar nicht aufgefallen …

Kein Grund, zu verzweifeln! Hauptsache, der Inhalt stimmt! Solange dank deiner Gesprächsführung (siehe gestriger Schreibtipp Nr. 229) interessante Infos für den Leser in den Antworten stecken, sind sprachliche und strukturelle Mängel zwar unerfreulich, aber keine Katastrophe.

Ein intensives Überarbeiten des aufgenommenen Interviews ist zudem keine Seltenheit. In den wenigsten Fällen ist es beim Schreiben von Interviews damit getan, ein paar „Ähs“ aus den Antworten des Gesprächspartners zu nehmen, hier und da umzuformulieren und einzelne Aussagen zu streichen.

Ein längeres Interview in einen gut lesbaren Text zu transformieren, kannst du mit dem Redigieren eines Rohtextes vergleichen – mit dem Unterschied, dass nicht ein geschlossener Artikel entstehen soll, sondern ein lebendiges Gespräch in schriftlicher Form.

Wie gelingt das?

Sondiere beim Transkribieren grob vor

Bereits beim Transkribieren wirst du merken, dass manche Ausführungen des/der Interviewten für den Text nicht relevant sind. Diese Passagen musst du erst gar nicht verschriftlichen. Bist du dir nicht ganz sicher, ob du die Ausführungen brauchst, transkribiere sie sicherheitshalber. Streichen kannst du nachher immer noch.

Achte auf die richtige Dramaturgie

Hast du das aufgezeichnete Interview verschriftlicht, lese es mehrmals durch und schaue, ob die Dramaturgie stimmt. Gibt es Brüche? Eventuell musst du die Reihenfolge der Fragen ändern – etwa, weil eine Antwort so endet, dass du mit einer Frage, die viel weiter hinten kommt, gut anknüpfen kannst. Fragen und Antworten sollten insgesamt gut ineinanderfließen.

Schiebe zusätzliche Fragen ein

Häufig sind die Antworten des oder der Interviewten viel zu lang. Dann empfiehlt sich, zusätzliche Fragen einzuschieben. Längere Ausführungen lassen dies in der Regel zu – und sei es nur, dass du Zwischenfragen stellst wie „Können Sie das näher erläutern?“ oder „Und was passierte dann?“. Möglich ist auch, eine Ausführung des/der Interviewten mit drei Pünktchen enden zu lassen und das Gesagte aufzugreifen, indem du es als Frage formulierst. Bleibe bei den einzelnen Antworten möglichst unter 1.000 Zeichen inklusive Leerzeichen. Länger als 1.200 Zeichen sollte keine der Antworten im Interview sein.

Nehme eventuell Anpassungen einzelner Fragen vor

Manchmal passt eine Antwort einfach nicht richtig zur Frage. Ist der Inhalt dennoch von Interesse für den Leser, ist es durchaus legitim, die Originalfrage der Antwort anzupassen. Checke hier aber genau, ob die jeweilige Ausführung tatsächlich von Wert für das Interview ist.

Checke, ob du Originalfragen erweitern musst

Mitunter musst du die eine oder andere Frage durch Infos anreichern, damit sie verstanden werden. Achte immer darauf, die Leser:innen gut mitzunehmen!

#365schreibtipps #besserschreiben

Ein exklusiver Beitrag zu #365schreibtipps

von Petra Walther, www.petra-walther-text.de

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