Wenn die Augen vom Starren aufs weiße Blatt müde werden und brennen, ist es höchste Zeit, es selbst in die Hand zu nehmen. Und zwar sowohl das weiße Blatt als auch die Entspannung der Augen. Wie das geht, erklärt Barbara Brugger (ecovital Gesund am Bildschirm), Fachkraft für Arbeitssicherheit und Augentrainerin, in diesem Blogbeitrag.

Es darf aber auch ein blaues Blatt sein.

Es darf auch ein blaues Blatt sein. Foto: ecovital

Das weiße Blatt, auf dem alsbald ein ergreifender Text stehen soll, ist heutzutage vielfach wohl eher ein weißer Bildschirm. Dieser Umstand macht nicht nur für die Augen einen Unterschied, sondern beeinflusst den kreativen Schreibprozess. Das wundert Sie vielleicht: Was hat denn das eine mit dem anderen zu tun? Sehr viel sogar. Für die visuelle Wahrnehmung und für das Schreiben brauchen wir eines: das Gehirn. Und wenn dieses nicht richtig mitspielt – weil es beispielsweise überanstrengt ist – funktioniert weder das Sehen noch das Denken wunschgemäß. Anders gesagt: Je müder die Augen, desto angestrengter das Gehirn und desto stockender der Denk- und Schreibfluss.

Es lohnt sich also gelegentlich das Augenmerk auf die Augen selbst zu richten.

Die Augen – insbesondere die Netzhaut als Herzstück der visuellen Wahrnehmung – sind auf einen guten Stoffwechsel angewiesen. Nur wenn ausreichend Nährstoffe und Sauerstoff ins Auge transportiert werden, ist die Basis für eine gute Sehkraft geschaffen. Wie durch ein Nadelöhr passiert das Blut den Hals-Nacken-Bereich, um die Augen zu durchbluten. So betrachtet wird es besonders anschaulich, warum Bewegung und Entspannung mit dem Sehen verknüpft sind. Vor dem Bildschirm verspannen sich Schultern und Nacken recht schnell – als Folge einer ungünstigen Körperhaltung oder wenn man einfach zu lange sitzt und es an Bewegung mangelt. Hilfreich ist es, regelmäßig aufzustehen und sich zu bewegen. Speziell den Schulter-Nacken-Bereich zu lockern kurbelt die Blutzirkulation an und die Augen werden besser versorgt.

Augen wollen auchmal fern sehen

Dieser Vorgang trifft natürlich auch auf das Gehirn zu. Regelmäßige bewegte und visuelle Pausen bei der Bildschirmarbeit fördern die Konzentration, bringen frischen Wind in die Gedanken und lassen neue Ideen sprudeln. Ich arbeite und schreibe selbst viel und gerne am Computer. Wenn ich dabei ins Stocken gerate und mich nicht mehr konzentrieren kann, ziehe ich die Laufschuhe an und jogge im Park. Der Kreislauf kommt in Schwung, der Blick schweift im Grünen, der Kopf wird frei. Mittlerweile verlasse ich mich darauf, dass beim Laufen die Ideen sprießen und ich anschließend weiß, wie ich weiter vorgehe. Es klappt immer!

Auge an Hirn: Entspannen!

Dass langes Arbeiten an einem Bildschirm für die Augen anstrengend – weil einseitig – ist, ist wohl bereits hinlänglich bekannt. Entsprechend auch, dass es zur Entspannung der Augen günstig ist, sie in alle Richtungen zu bewegen, aus dem Fenster zu schauen, zu blinzeln und gelegentlich die Augenlider zu schließen. Darüber hinaus lassen sich die Augen und das kreative Denken mit Übungen für das periphere Sehen anregen. Beim konzentrieren Schauen auf den Computerbildschirm wird nur ein ganz kleiner Teil der Sehzellen auf der Netzhaut angesprochen. Die Zellen im sogenannten peripheren Bereich der Netzhaut werden nicht gebraucht. Stimuliert man diese zwischendurch bewusst, entlastet das einerseits die Augen und aktiviert verschlafene Gehirnregionen andererseits.

Falls der Ideenfluss mal stockt, hilft die folgende Übung dabei, dass die Einfälle wieder fließen.

 

Augenübung für den Weitblick

Nehmen Sie ein Blatt Schreibpapier und falten es auf DIN A5. Halten Sie es nun so auf Stirn und Nase, dass Sie mit geradeaus gerichtetem Blick in der Mitte einen weißen Streifen wahrnehmen und seitlich nur in einem schmalen Bereich die Umgebung sichtbar bleibt. Wichtig ist es, den Blick nach vorne zu richten, als könnten Sie durch das Blatt hindurch in die Ferne schauen. Widerstehen Sie der Versuchung, die Augen zur Seite zu bewegen und an dem Blatt vorbei zu sehen. Stattdessen schauen Sie entspannt geradeaus und nehmen seitlich die Umgebung wahr. Gehen Sie nun langsam und vorsichtig herum. Dadurch, dass Sie sich bewegen, werden die seitlichen Sehzellen automatisch angeregt.

Nach etwa zwei Minuten nehmen Sie das Blatt weg und schauen sich um. Sie können einen zweiten Durchgang machen und den Stimulus für die peripheren Zellen noch steigern. Klappen Sie das Blatt dafür wieder auf und falten es nun der Länge nach einmal in der Mitte. Halten Sie das Blatt in ganzer Breite vor Stirn und Nase, so dass seitlich noch ein schmaler Bereich sichtbar bleibt. Gehen Sie wieder langsam und vorsichtig herum. Nach ein bis zwei Minuten nehmen Sie das Blatt weg und schauen sich um.

Wirkt das Blickfeld nun weiter?

Mit der zunehmenden Nutzung von mobilen Geräten nimmt der starre Blick Richtung Bildschirm und Display zu. Um die Augen von dieser Anstrengung zu erholen, lohnt sich ein gelegentliches Augentraining. Es gibt viele Augenübungen, die zum visuellen Wohlbefinden beitragen. Mit manchen von ihnen – wie der oben beschriebenen – erzielen Sie sogar einen doppelten Effekt.

Im Rahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung für Unternehmen mit Bildschirmarbeitsplätzen bietet das Online-Training „AugenPause vom Display“ eine praktische Hilfe, um die Augen regelmäßig zu entlasten. Dieses 3-Minuten-Video zeigt, wie es funktioniert: https://www.youtube.com/watch?v=lbuKj5P-CTY

Sind Sie auf den Geschmack gekommen? Weitere Anregungen und gezielte Augenübungen für verschiedene Sehbeschwerden und Ermüdungserscheinungen bei der Computerarbeit gibt es im „Augenbüchlein für gesundes Sehen am Bildschirm“ www.augenbuechlein.de